Handel Mit Großbritannien Nach Dem Brexit
Handel Mit Großbritannien Nach Dem Brexit
Der Brexit hat die Handelsdynamik zwischen Großbritannien und Europa grundlegend verändert. Was früher unkompliziert war, erfordert heute neue Strategien, mehr Dokumentation und andersartige Kostenkalkulationen. Wir zeigen dir, wie der Handel mit Großbritannien nach dem Brexit wirklich funktioniert und worauf du achten musst.
Die Neuen Handelsregeln Verstehen
Nach dem Brexit gilt Großbritannien nicht mehr als Teil des Binnenmarkts. Das bedeutet konkret: Jede Waren- und Dienstleistungsbewegung unterliegt nun zollrechtlichen Bestimmungen. Unternehmen, die mit UK handeln, müssen sich auf völlig neue administrative und finanzielle Anforderungen einstellen.
Was hat sich wirklich geändert? Die Warenströme zwischen EU und UK werden jetzt wie internationale Importe und Exporte behandelt. Das klingt einfach, bringt aber erhebliche praktische Konsequenzen mit sich. Unternehmen berichten von bis zu 40% längeren Bearbeitungszeiten bei Zollanmeldungen.
Zölle Und Importgebühren
Die Zollsätze zwischen UK und der EU unterscheiden sich je nach Produktkategorie. Während manche Branchen wie die Chemieindustrie bereits spezialisierte Zollregelungen ausgehandelt haben, zahlen andere Sektoren Standard-Zollsätze:
- Waren mit niedrigerem Zollsatz (0–5%): Viele Rohstoffe, IT-Komponenten, bestimmte Maschinenbauteile
- Mittlere Zollbeträge (5–15%): Textilien, Konsumgüter, elektronische Geräte
- Höhere Zollbeträge (über 15%): Agrarprodukte, Alkohol, Kosmetikartikel
Wer beispielsweise Lederhandschuhe nach UK exportiert, zahlt etwa 8–12% Zoll. Für einen Container mit 5.000 Paar bedeutet das schnell 3.000–5.000 Euro zusätzliche Kosten pro Shipment.
Dokumentation Und Zertifizierung
Jeder grenzüberschreitende Handel erfordert jetzt eine Exit Summary Declaration (EXS) von der EU-Seite und eine Entry Summary Declaration (ENS) auf der UK-Seite. Diese müssen mindestens 24 Stunden vor dem Grenzübertritt eingereicht werden.
Zusätzlich brauchst du:
- Handelsdokumente: Handelsrechnungen, Packzettel, Ursprungzeugnisse
- Sicherheitsdokumente: AES-Anmeldung (Ausfuhranmeldung) in der EU, SAD-Formular (Single Administrative Document)
- Produktspezifische Zertifikate: Je nach Branche (CE-Kennzeichnung, Konformitätszertifikate, Energielabel)
Für Lebensmittel kommt noch eine Health Certificate List hinzu – praktisch ein Gesundheitszeugnis, das von autorisierten Behörden unterzeichnet sein muss. Das kostet zwischen 50 und 200 Euro pro Dokument.
Auswirkungen Auf Die Europäische Wirtschaft
Der Brexit hat nicht nur Großbritannien getroffen – europäische Exporteure spüren die Auswirkungen unmittelbar. Handelsvolumen, die vorher sanft über die Kanäle flossen, stagnieren oder sinken.
Einige Branchen sind besonders betroffen. Der deutsche Maschinenbau beispielsweise hat mit etwa 8% Zollbelastung zu kämpfen. Französische Luxusgüterhersteller zahlen auf manchen Produktkategorien bis zu 15%. Die britische Automobilindustrie importiert massiv Teile aus Europa – jetzt mit zusätzlichen Zollkosten.
Kostensteigerungen Für Unternehmen
Die wirtschaftlichen Folgen sind messbar. Eine Studie des Institute for Fiscal Studies zeigt, dass Importzölle durchschnittlich zu 3–5% höheren Endverbraucherpreisen führen. Für Unternehmen sieht es oft schlimmer aus:
| Zollgebühren pro Container | 0 € | 500–2.500 € | +100% |
| Administrative Bearbeitung | 50 € | 200–400 € | +300% |
| Lieferzeitverlängerung | 2–3 Tage | 5–7 Tage | +100% |
| Versicherungskosten | 1–2% | 2–4% | +100% |
Für mittelständische Unternehmen mit einem Handelsvolumen von 1–2 Millionen Euro pro Jahr bedeutet das schnell 30.000–50.000 Euro zusätzliche Jahreskosten.
Branchenweit spiegelt sich das wider: Der Export von der EU nach UK ist um etwa 13–15% gesunken. Allerdings stabilisiert sich das Volumen langsam – Unternehmen haben sich angepasst, neue Logistikpartner gefunden und Prozesse optimiert. Manche weichen auf lokale Produktion in UK aus, um Zölle zu sparen.
Logistische Herausforderungen
Die physische Bewegung von Waren ist komplizierter geworden. Früher fuhren Lastwagen einfach über die Grenze. Heute braucht es spezialisierte Partner, digitale Systeme und Geduld.
An der Grenze in Dover und an den Häfen entstehen regelmäßig Verzögerungen. Brexit-bedingte Kontrollen bedeuten, dass ein LKW statt 2–3 Stunden jetzt leicht 8–12 Stunden Wartezeit einplanen muss. Das treibt die Transportkosten nach oben und verzögert Lieferungen.
Lieferkettenverzögerungen
Wer mit Großbritannien handelt, muss mit längeren Lieferzeiten rechnen. Das hat Cascade-Effekte:
- Just-in-Time-Modelle funktionieren nicht mehr zuverlässig. Produzenten müssen höhere Lagerbestände halten.
- Verderbliche Waren (Fisch, Fleisch, Gemüse) leiden unter längeren Transportzeiten. Mancher Importeur verlagert sich auf getrocknete oder tiefgekühlte Varianten.
- B2B-Lieferketten verlängern sich deutlich, was die Working Capital belastet.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ein niederländischer Elektronik-Distributor brauchte vorher 4–5 Tage für UK-Lieferungen. Heute sind es 10–12 Tage, oft mit Zollverzögerungen. Kunden in UK zahlen inzwischen Express-Zuschläge oder akzeptieren längere Wartezeiten.
Kreative Lösungen entstehen: Manche Großhändler etablieren Lagerbestände in UK, um schneller liefern zu können. Das kostet mehr, spart aber die ständigen Zollverzögerungen und reduziert die Lieferzeit wieder auf 2–3 Tage.
Chancen Für Neue Handelsbeziehungen
Der Brexit bringt auch Möglichkeiten. Großbritannien kann jetzt unabhängig Handelspolitik betreiben und neue Abkommen mit anderen Ländern schließen. Das öffnet neue Märkte.
Es gibt auch Chancen für europäische Unternehmen, die strategisch agieren. Für Spinsy Casino GMBH, wie für andere Dienstleister in digitalen Branchen, eröffnen sich neue Compliance-Anforderungen und damit Geschäftsmöglichkeiten. Spezialisierte Berater und Logistik-Unternehmen florieren.
Für Exporteure heißt das konkret:
- Nischenmärkte erschließen: Kleine, spezialisierte Produkte finden in UK oft weniger lokale Konkurrenz
- Premiumpositionierung: Mit transparenten Zollkosten lassen sich Premium-Produkte oft besser vermarkten (“echtes EU-Original mit Dokumentation”)
- Partnerschaftsmodelle: Joint Ventures oder lokale Produktionsstätten in UK können Zölle sparen
- Digitale Services boomen: Softwarelizenzen, Cloud-Services und Consulting haben keine oder geringe Zollprobleme
Unternehmen, die ihre Supply Chain schnell neu gestaltet haben, berichten von stabilen oder sogar wachsenden UK-Märkten. Der Trick ist Flexibilität und frühzeitige Anpassung statt Festhalten an alten Strukturen.
